Radikale Initiative schadet der Gesundheit von Mensch und Tier und dem Forschungsplatz Schweiz

Josef - Kampagnenteam
Josef - Kampagnenteam
10 January 2022 Lesezeit: 3 Minuten
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Medienkonferenz NEIN zum Verbot von Tier- und Menschenversuchen
Die Initiative für ein Verbot von Tier- und Menschenversuchen stösst auf breiten Widerstand. Ein aus allen Bundeshausfraktionen zusammengesetztes Nein-Komitee hat heute in Bern den Abstimmungskampf eröffnet. Von Links bis Rechts ist man sich einig, dass diese Vorlage nicht nur die medizinische Versorgung der Bevölkerung gefährdet, sondern auch für die Tiermedizin, den Forschungsplatz, die Landwirtschaft und weitere Bereiche riesige Probleme schafft.

Am 13. Februar stimmt die Schweizer Bevölkerung über eine der radikalsten Vorlagen der letzten Jahre ab. Die Tier- und Menschenversuchsverbots-Initiative will jegliche Forschung an Tieren und Menschen verbieten. Überdies sollen keine Produkte mehr importiert oder gehandelt werden dürfen, die andernorts mithilfe solcher Versuche entwickelt wurden. Die Folgen wären verheerend, wie das von allen nationalen Parteien mitgetragene Nein-Komitee heute dargelegt hat.

«Die Initiative ist ein Rundumschlag und betrifft die medizinische Versorgung und damit die Gesundheitssicherheit, sie schwächt die Human- und Veterinärmedizin, den gesamten Forschungsstandort Schweiz und hat negative Auswirkungen auf die Wirtschaft und den Konsum», fasste Mitte-Ständerätin Andrea Gmür (LU) zusammen. Aus diesem Grund habe die Vorlage im Parlament auch keine einzige Stimme erhalten.

Initiative verfehlt ihr Ziel

Gemäss Katja Christ, Nationalrätin der Grünliberalen (BS), richtet die Initiative nicht nur viel Schaden an, sie verfehlt auch ihr Ziel: «Tierversuche würden nicht verhindert, sondern wie die Forschung selbst lediglich ins Ausland verlagert, wo hingegen weniger strenge Tierschutzgesetze gelten.»

Auch für Ständerätin Maya Graf (Grüne, BL) ist das der falsche Weg. Die vorliegende Initiative sei extrem, sie schade der Gesundheit von Mensch und Tier. «Und sie verfehlt das Ziel, für welches wir Grüne uns seit Jahrzehnten einsetzen: gemeinsam mit allen Akteuren in die tierversuchsfreie Forschung wie die 3-R (Replace, Reduce, Refine) zu investieren.»

Medizinische Forschung wird ausgebremst

Ihre Rolle als ein weltweit führender Forschungsplatz, gerade in der Human- und in der Tiermedizin, könnte die Schweiz nach einer Annahme nicht länger wahrnehmen. Die Folgen des Entwicklungs- und Importverbots würden aber vor allem die Gesundheitsversorgung hart treffen. Die freisinnige Ständerätin Johanna Gapany (FR) unterstrich: «Diese Initiative stellt ein ganz konkretes Risiko dar für alle, die in unserem Land auf medizinische Behandlungen angewiesen sind. Gemäss dem Willen der Initianten könnte die Schweiz neue Medikamente weder entwickeln noch importieren.» Als konkrete Beispiele nannte sie die Entwicklung neuer Krebsbehandlungen, für die Forschung an Tieren und Menschen nötig sei, oder auch die aktuellen Impfstoffe gegen Covid-19.

Probleme auch in der Landwirtschaft

Wenig beachtet wurde bislang, dass die geforderten Verbote auch die Bauernbetriebe hart treffen würden. Martin Haab, SVP-Nationalrat und Landwirt (ZH), nannte dafür konkrete Beispiele: Die veterinärmedizinische Versorgung der Nutztiere, das Üben von Klauenpflege, künstlicher Befruchtung und Geburtshilfe in Kursen – alles wäre nicht mehr oder nur noch eingeschränkt möglich. «Aber auch neue Futtermittel, neue Stallsysteme in der Tierhaltung oder die Digitalisierung mit Melk-, Fütterungs- und Entmistungsrobotern müssen vor ihrer Zulassung getestet werden. Verzichtet man darauf, geht das auf Kosten der Sicherheit und der Tiergesundheit.»

«Nicht im Interesse der Schweizer Bevölkerung»

Dass sich selbst der Schweizer Tierschutz (STS) klar von der Initiative distanziert hat zeigt, dass die Vorlage keine konstruktive Lösung für den künftigen Umgang mit Tierversuchen anbietet. STS-Vorstandsmitglied und SP-Nationalrätin Martina Munz (SH) sieht in der Schweiz zwar durchaus noch Verbesserungspotenzial, kämpft aber überzeugt für ein Nein am 13. Februar: «Die Annahme der Initiative hätte schwerwiegende Konsequenzen für das Gesundheitswesen. Zum Beispiel würde der Zugang zu den neuesten Behandlungen von Krebs verunmöglicht. Das kann nicht im Interesse der Schweizer Bevölkerung sein.»